„Die ayurvedische Pulsdiagnose ist wie ein Türöffner!“

Interview mit Sylvia Heil, Absolventin des Ausbildungskurses „Maharishi Ayurveda Puls­­dia­gnose & Phyto­therapie“ an der Deutschen Ayurveda Akademie

Wir freuen uns dass Sylvia Heil unsere Fragen zu ihren Erfahrungen mit dem Ausbildungskurs und der Anwendung des Wissens beantwortet hat. Frau Heil hat 25 Jahre als Hebamme gearbeitet und 2019 ihre Heilpraktiker-Ausbildung beendet. Direkt im Anschluss hat sie den Pulsdiagnose-Ausbildungskurs bei Dr. Schachinger und Dr. Bauhofer absolviert. Das Interview wurde im Juli 2021 geführt.

Warum hatten Sie sich für den Ayurveda-Ausbildungskurs entschieden?

Ich hatte meine Heilpraktiker-Ausbildung fertig und habe überlegt, wie ich mich auf eine bestimmte Richtung spezialisieren könnte, die möglichst alles umfasst. Ich habe ja auch relativ spät angefangen und mir überlegt: ich möchte jetzt nicht erst in die eine Richtung und dann die andere Richtung … ich möchte mich nicht in so viele Richtungen orientieren …

„Ich wollte etwas Ganzheitliches. Und da hat sich der Ayurveda quasi aufgedrängt.“ 

Da der Ausbildungskurs an der Deutschen Ayurveda Akademie für Ärzte, Heilpraktiker und auch sonstige medizinische Heilberufe ist, hat mich das sehr angesprochen: Wenn man aus verschiedenen medizinischen Berufen zusammen kommt, und sich für die selbe Sache interessiert, finde ich das immer sehr bereichernd. Weil dieser Kurs klassische Medizin und Naturheilkunde miteinander verbindet, das fand ich eine wunderbare Mischung! Und auch zu sehen dass Ärzte das ayurvedische Wissen in ihre Arbeit integrieren.

Ich bin zwar Heilpraktikerin, aber ich bin nicht gegen die Schulmedizin: Es gibt viele tolle Ärzte, die Gutes tun wollen und auch können, aber durch das derzeitige Gesundheitssystem „festhängen“. Und ich fand, wenn diese Ärzte die Naturheilkunde in die Medizin integrieren möchten, dann ist es sicher interessant, Ärzte kennenzulernen, die das auch tun.

 

 Wie war die Atmosphäre auf dem Kurs?

Sehr schön! Wir haben viel miteinander geübt und uns gegenseitig die Pulse getastet. Und man sagt ja auch: Bei der Pulsdiagnose passiert etwas. Einmal mit einem selber, wenn man bei sich selbst den Puls fühlt, wenn man diesen Selbstrückbezug bekommt – man besinnt sich wieder auf sich selbst. Und dann, wenn man es bei anderen macht, dann entstehen natürlich eine engere Verbindungen, weil man über den Puls immer auch etwas Persönliches über den anderen erfährt.
Es sind alle sehr achtsam miteinander umgegangen. Ich möchte ja auch nicht, wenn jemand etwas in meinem Puls tastet, das dies sofort in die Gruppe eingebracht wird. Es sind alle sehr respektvoll miteinander umgegangen. Es war sehr schön, dass nachher auch das Vertrauen da war, dass einige sich zur Verfügung gestellt haben, damit wir alle mal an einer einzigen Person die Pulsdiagnose erstellen konnten, um zu sehen, was wir schon alles gelernt haben.

Was auch sehr angenehm war: Dr. Schachinger, Dr. Bauhofer und (Gastdozent) Dr. Schrott sind drei ganz unterschiedliche Charaktere, aber miteinander geben sie so ein Ganzes ab. Also das fand ich echt bereichernd!

 

Wie haben Sie den Kurs erlebt? Erzählen Sie uns doch mal von Ihren Eindrücken.

Zwischen den Präsenz-Wochenenden (Freitag bis Sonntag) gab es dazwischen Wochen für die Übungsphase, und in der Zeit fanden auch Online-Seminare statt, sodass wir wirklich begleitet waren in unserer Übungsphase, was ich sehr hilfreich fand. Wir haben ausgiebige schriftliche Unterlagen mitbekommen, sodass man auch nicht ständig mitschreiben musste. Und mit denen arbeite ich auch heute noch; so kann ich bei Bedarf noch nachlesen kann, weil die Kleinigkeiten, die man selten braucht, nicht alle hängen geblieben sind.

Und dann kam die Corona-Zeit und die Dozenten waren unheimlich fix drauf um alles umzustellen und uns trotzdem „abzuholen“ und weiter zu begleiten. Wir konnten dann online mittels Videokonferenz unsere Fragen stellen … und das hat echt erstaunlich gut funktioniert. Weil Dr. Schachinger und Dr. Bauhofer halt auch mitten im Leben stehen und das Wissen seit Jahrzehnten praktizieren, nicht nur in Fachbüchern gelesen haben, sondern jeden Tag noch damit arbeiten, so kommt das Wissen einfach völlig authentisch rüber.

Wenn man weiterhin wie üblich praktiziert und die Pulsdiagnose an seinen Patienten anwendet, dann brauchten wir dafür ungefähr eine halbe Minute um den Puls zu tasten. Und das kann man bei jedem Patienten machen. Selbst wenn man bei den Patienten erst einmal keine weitere Therapie durchgeführt hat – weil man noch nicht soweit war in der Fortbildung – kann man trotzdem das Tasten am Puls üben. Das ist ein sehr heilsames Gefühl, weil man einen Bezug zum Patienten bekommt … einen persönlichen Bezug und es ist auch sehr interessant wie die Patienten so reagieren. Unter Pulsfühlen verstehen die meisten erstmal nur die Geschwindigkeit des Pulses zu fühlen. Viele sagen dann „Ja, bei mir ist er ziemlich schnell …“ oder „bei mir ist er immer ziemlich langsam“. Aber darum gehts ja im Endeffekt gar nicht – oder fast gar nicht.

Und die Patienten waren erstaunt was man alles zum Puls sagen konnte. Am Anfang konnte ich vielleicht drei Punkte nennen, weil ich alles andere noch nicht konnte. Und zum Schluss konnte ich ihnen quasi erzählen was sie für eine Krankheitsgeschichte haben oder was sie für Personen sind. Und dann waren sie schon sehr erstaunt. Selbst am Anfang wo ich noch das Gefühl hatte „Oh Je … ich kann nur ganz wenig … hoffentlich kann ich da irgendetwas mit anfangen …“ waren die Patienten schon beeindruckt, was man da so spüren kann, und dadurch kann man ganz schnell mit dem Patienten eine gute Arbeit kommen. Das geht sofort.

 

Wie klappte es am Anfang mit der Anwendung des ayurvedischen Wissens?

Das Wissen konnte ich direkt anwenden! Also ich arbeite überwiegend als Heilpraktikerin aber hin und wieder auch noch ein bisschen als Hebamme. Und da wende ich die Pulsdiagnose auch an. Sofort nach dem ersten Präsenzwochenende konnte ich diese Diagnosemethode „mit nach Hause nehmen“. Das heißt natürlich auch erst mal viel lernen und ausprobieren.

„Ich bin ganz erstaunt gewesen wie schnell es funktioniert hat.“

Und es hat sogar bei Kleinkindern und Säuglingen funktioniert. Das war mir ja noch ein Rätsel ob man mit den großen Fingern auf den kleinen Ärmchen das auch die Doshas findet. Aber es funktioniert und ich habe schon tolle Erfahrungen damit gemacht. Was mir wirklich sehr gut gefallen hat ist: Man kann das Wissen sofort mitnehmen und kann die alte Arbeit nebenher so machen wie man es gewohnt ist und nimmt die Pulsdiagnose mit dazu.

 

Kann man sagen, dass Sie ihren Patienten und Patientinnen jetzt (noch) besser helfen können?

Ja! Auf jeden Fall! Es ist so, dass ich über die Pulsdiagnose an bestimmte Punkte drankomme die sonst nicht sofort offensichtlich sind. Der Puls verrät mir den Weg in die Heilung.

Also es ist nicht so, dass der Zustand des Pulses mir nur sagt „Was ist da alles krank und an welche Themen muss ich drangehen“, sondern er zeigt alles auf und sagt mir, womit wir denn mal anfangen.

Als Beispiel: Wenn ein Patient kommt, der Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck hat, dann ist es so dass ich in der Pulsdiagnose sehen kann, dass er zu viel Pitta hat, und dass wir das erst mal reduzieren und dadurch werden schon manche Probleme mitgenommen … sie werden schon reduziert. Im Grunde würde ein Patient nur kommen und sagen „Ich habe ein Bluthochdruck-Problem“. Der würde mir vielleicht nicht sagen dass er auch nicht gut schläft, etc. Und selbst wenn ich ihn frage, bekomme ich eher eine ungenauere Antwort, als wenn ich sage „Ich habe das bei Ihnen im Puls gefühlt.“. Dann spürt er nochmal genau hin; es wird ernster genommen von dem Patienten: „Hmm … wenn das in meinem Puls ist … ja stimmt, eigentlich wache ich nachts oft auf.“.

[*Anmerkung: Als „Pitta“ wird im Ayurveda eines von drei grundlegenden Regelkräften der Natur bezeichnet, das in erster Linie mit dem Element Feuer in Verbindung gebracht wird.]

Es wird einfach nochmal ein anderer Impuls gesetzt, so dass man mehr in die Tiefe gehen kann. Allein über diese Berührung … man kommt einfach weiter. Man kommt etwas tiefer in andere Ebenen, die dazu führen dass der Patient sich von selbst mehr öffnet.

Also ich bin richtig begeistert davon. Und ich arbeite mittlerweile eigentlich bei jedem Patienten mit der Pulsdiagnose, egal ob er deswegen kommt oder nicht. Manche kommen ja speziell auch wegen der ayurvedischen Pulsdiagnose und sind ganz neugierig etwas über sich zu erfahren. Und andere sagen „Na gut, machen Sie mal.“. Es ist wirklich immer interessant wie gut das ankommt. Es ist echt etwas Positives und es kommt nie negativ an bei den Patienten.

Es ist immer dieses Erstaunen und dann entsteht eine gewisse Neugier bei den Patienten. Und es ist wie ein Türöffner: Wenn der Puls sagt „Du hast gerade mit einem Herzensproblem zu tun.“ dann beginnt der Patient darüber nachzudenken ob es so ist. Er hat vielleicht seine Erkrankung gar nicht damit in Verbindung gebracht. Und das ist dann für den Menschen interessant, weil er einfach eine Brücke bekommt, so dass er selber auch in ein ganzheitlicheres Denken kommt: „Hey, ich kann da etwas an meinem Leben ändern und dann werde ich gesünder. Ich muss mich jetzt nicht nur darauf verlassen dass der Heilpraktiker etwas macht.“. Also dieses „sich selbst in die Gesundung begeben“. Das können ja auch nur die Patienten selbst. Ich bin ja nicht der Heiler. Der Heiler ist der eigene Körper. Und der kann nur gesunden wenn der Mensch das, was ihn krank macht, verändert. Also muss er sein Verhalten ändern. Und da kommen die Patienten nun leichter von alleine drauf.

„Also die ayurvedische Pulsdiagnose ist echt so ein Türöffner damit Patienten in die Selbstverantwortung gehen und Bereiche sehen, die sie vorher nicht mit ihrer Erkrankung in Zusammenhang gebracht haben.“

Und ich finde wirklich, dass die Pulsdiagnose die anderen Diagnosestellungen, die ich ja dazunehmen kann, hervorragend ergänzt. Ich muss ja nicht alles wegschmeißen und nur die Pulsdiagnose machen. Aber dieses Gesamtbild wird kompletter. Und die Pulsdiagnose nutze ich immer dafür, dass ich schaue was als erstes dran ist. Manchmal habe ich einen Patienten mit 25 Symptomen und Problemen und da frage ich mich „Wo fangen wir da jetzt an?“. Und durch die Pulsdiagnose erfahre ich von ihm selber womit wir anfangen. Das ist schon eine Erleichterung.

 

Für diejenigen, die ayurvedische Pulsdiagnose noch nicht kennen, ist es wahrscheinlich ein Mysterium, wie man mit drei Fingern so viel über einen Menschen erfahren kann; über den Gesundheitszustand, die Organe, Körpergewebe, mögliche Traumata die vielleicht Jahre zurückliegen, etc. …

Also auf der einen Seite muss ich dazu sagen: als Hebamme habe ich es leicht gehabt. Ich habe damals die Erfahrung gemacht: ich soll jetzt hier in meiner Ausbildung einen Babybauch tasten und sagen wie das Baby im Bauch liegt. Und anfangs habe ich gedacht „keine Ahnung!“ und dann habe ich irgendwann nochmal getastet und nochmal und nochmal und ich habe nach Wochen des Tastens nicht sagen können was ich da spüre und war schon ziemlich verzweifelt. Aber es ging uns allen so und dann habe ich eigentlich eineinhalb Jahre gebraucht bis es „Jetzt weiß ich’s!“ machte. Und da war mir klar, dass ich die eineinhalb Jahre zuvor gebraucht habe, um jetzt zu wissen was ich tue.Und als wir mit der Pulsdiagnose angefangen haben, da habe ich bei mir selber fast nichts gespürt! Und ich habe gedacht „Oje es klappt nicht!“ und dann habe ich daran denken müssen wie das damals war und mir selbst gesagt „Hab jetzt einfach mal Geduld, das kommt schon“.

Und dann haben wir wirklich untereinander ganz viel getastet und durch diese Unterschiede der Pulsqualitäten fängt man erst an zu verstehen, was man im Puls tastet. Also man braucht einfach eine Weile dahin zu kommen und in der Gruppe war’s sehr unterschiedlich: es gab welche die haben viel an sich gezweifelt und andere haben es schneller hinbekommen. Ich glaube es hat einfach damit zu tun, wie man es gewohnt ist seinen Händen zu vertrauen. Ich habe 25 Jahre lang ertasten können wie schwer die Babys sind kurz vor der Geburt und habe immer wieder gestaunt, wie nah ich am tatsächlichen Gewicht lag. Man bekommt ein „Handling“ dafür und am Ende des Kurses war es wirklich so, dass jeder das Gefühl hatte, jetzt habe ich verstanden, was ich da fühlen kann.

Wir wurden alle einzeln „abgeholt“, die Dozenten sind zu jedem einzelnen gekommen und haben nochmal geschaut und einem individuell geholfen den Puls richtig zu fühlen. Wir haben auch immer wieder neu die Position aufgesucht an der wir den Puls fühlen. Und das war echt eine schöne Erfahrung – zu sehen dass eigentlich alle – auch die die etwas unsicherer waren am Anfang – am Ende sagten „Ja super! Ich bin doch echt richtig hier!“ Und wir haben ein Feingefühl für Dinge entwickelt, die wir am Anfang noch nicht wahrnehmen konnten.
Und so sind auch anfängliche Zweifler dahin gekommen, dass sie gar nicht zweifeln mussten, sondern nur ihren eigenen Weg finden. Und das war eine schöne Erfahrung für uns alle.

„Bei den Dozenten war eine unheimliche Geduld und ein sehr großes Wohlwollen und eine enorme Wertschätzung für die Kursteilnehmer.“

Das finde ich total angenehm. Man fühlt sich getragen, wenn man selber, persönlich mal das Gefühl hat „ Ich kann das grad nicht …“: Das wurde überhaupt nicht so gesehen , sondern man wurde immer immer wertschätzend angenommen. Und wenn es jetzt nicht klappt, dann beim nächsten Mal, oder wir schauen noch einmal … Also es wurde immer drangeblieben und nach eine Lösung gesucht. Das ist mir sehr positiv aufgefallen. Auch dass das Verhältnis zwischen Dozenten und Kursteilnehmenden auf einer guten Ebene war. Es nicht so, dass die Dozenten „da oben“ waren und wir „da unten“, sondern es war eine sehr erwachsene Ebene auf der gearbeitet wurde.

 

Konnten Sie auch persönlich vom Kurs profitieren?

Also wir haben alle selber für uns Dinge entdeckt und ausprobiert. Ich habe einen Riesen-Effekt gehabt. Ich bin seit 46 Jahren Migräne-Patientin und habe meine Migräne nun auf ein Level gebracht mit der ich eine ganz neue Lebensqualität erlebe.

Es ist erstaunlich wieviel man gerade bei chronischen Erkrankungen mit ayurvedischem Wissen bewirken kann – mit Reinigungsverfahren, die den Körper quasi resetten. Der Pulsdiagnose-Kurs ist ganzheitlich. Wir lernen nicht nur den ganzen Tag den Puls fühlen, sondern wir lernen alles was zum Ayurveda dazugehört. Das ist ja noch sehr viel mehr, das beinhaltet das ganze Leben. Man beginnt die Philosophie dahinter zu verstehen, und dann geht man auch nochmal anders mit Heilung um. Und natürlich auch die ayurvedischen Phytoherapien, die Ernährung, Meditation und vieles mehr. Das ist etwas das ich mir gewünscht habe, wenn ich eine Ausbildung mache: Dass man eine Diagnose stellt und dann sehr vielseitig auf mehreren Ebenen behandeln kann.

„Der Kurs hat eigentlich alles bedient …  das Bewusstsein für Heilung erweitert.“

 

War es schwer das ayurvedische Wissen zu erlernen?

Das ayurvedische Wissen lernt man anders: Man lernt es nicht so wie zu einer Prüfung, dass man die Themen auswendig lernt und sich das Wissen auswendig lernt, um es dann irgendwann wiedergeben zu können. Sondern es ist so, dass man die Grundphilosophie des Ayurveda im Laufe des Kurses verstehen lernt. Und ich muss ja wirklich dazusagen: Ich habe da bei Null angefangen. Aber dadurch, dass ich das, was ich bis dahin in meinem medizinischen Wirken erlebt habe, ob in Gesundheit oder Krankheit, in diesem Kurs verstanden gesehen habe – und zwar ganzheitlich – deshalb hat mich das so „angesaugt“. 😉 Ich habe bis dato noch nie viel von den Sanskrit-Begriffen wie Vata, Pitta und Kapha gehört und habe das trotz alledem sofort integrieren können, durch das was ich vorher erlebt habe. Also es ist nicht so, dass ich auf dem Kurs etwas ganz Neues lerne, sondern der Ayurveda ist etwas das mir das mein bisheriges Wissen und das Erlebte zusammengefügt hat.

„Es hat das, was ich bisher erlebt habe, lebendig gemacht und lebendige Dinge zu lernen ist viel einfacher.“

Die Sanskrit-Begriffe, die hat Dr. Schachinger mit uns oft wiederholt. Wirklich immer wieder. Er hat sich hingestellt und hat mit uns dann das Prana-, Udana-, Samana-, Apana und Vyana durchgegangen. [Anmerkung: Macht Bewegungen mit den Händen zu den entsprechenden Stellen am Körper und muss dabei schmunzeln.] Es war wie Eurythmie. Die Wiederholungen, die Bewegungen und das Aussprechen, haben das Lernen effektiv gemacht.

Also es ist alles gefordert worden: Unser Intellekt, unserer Vorerfahrungen, unsere Vorstellungskraft …! Ich fand es eine schöne Herausforderung. Es ist nicht möglich in einem Satz zu vermitteln was Vata, Pitta und Kapha bedeuten, sondern man muss sich damit aktiv immer wieder beschäftigen. Und wir wurden da super „abgeholt“. Es war wirklich so, dass ich von morgens bis abends zuhören konnte. Ich hatte nicht das Gefühl „ich muss jetzt mal abschalten“. Es war immer spannend. Auch durch den Wechsel: Mal Dr. Schachinger, mal Dr. Bauhofer … zwischendurch war Dr. Ernst Schrott zu Gast … dadurch kam immer eine andere Art des Lernens zu uns und das hat das Lernen aufgefrischt. Es war wirklich toll.

Wenn ich im Ayurveda etwas erklärt bekomme, fange ich sofort an das auf mich zu beziehen, weil ich mich am besten kenne. Und es war nie eine Aussage unstimmig.

„Es ist alles schlüssig. Und das beeindruckt. Und wenn man beeindruckt ist, führt das zu Begeisterung. Und wenn man begeistert ist lernt man schnell.“

Begeisterung gehört zum Lernen dazu – Du möchtest alles Erlernte behalten, weil es so spannend ist! Also ich habe wirklich gemerkt was für ein Enthusiasmus da entstanden ist. Mir hat das wirklich sehr gut gefallen.

Der Ayurveda ist so lebendig, es wurden alle Sinne gefordert und das machte das Lernen so Ganzheitlich. Man findet sich selbst darin ganz schnell wieder und dadurch wird es leicht den Ayurveda zu erlernen. Da wir alle bereits Erfahrungen mit Patienten hatten konnten wir auch schnell Beispiele aus den eigenen Erfahrungen einbringen, das erleichtert das Lernen ungemein.

 

Können Sie Ihre Patientinnen und Patienten nun schneller oder besser helfen?

Gezielter!
Ich habe manche Menschen, die wissen was Ayurveda ist und kommen deswegen zu mir in die Praxis. Sie stehen ganz wo anders als jemand der kommt und noch nicht weiß was Ayurveda ist. Aber schon die kleinste Maßnahme aus dem Ayurveda  hat schon eine erstaunliche Wirkung. Zum Beispiel das 10 Minuten abgekochte Wasser. [Anmerkung: das Wasser hat die Wirkung wasserlösliche Stoffwechselgifte auszuleiten.] Einem älteren Patienten mit vielen Medikamenten und zahlreichen gesundheitlichen Problemen habe ich erstmal nur dieses heiße Wasser empfohlen. Er war total begeistert. Nach einer Woche schlief er wieder besser. Oder Babys die Verdauungsprobleme haben, weil sie Flaschenmilch bekommen: die Flaschennahrung mit diesem 10 Minuten heißgekochten Wasser zubereitet (und auf Trinktemperatur abgekühlt) und die Kinder haben kaum noch Verdauungsprobleme. Also es gibt so ganz einfache Dinge, mit denen ich loslegen kann und fantastische Erfolge habe. Und das ist auch das was mich antreibt noch mehr zu lernen und es bei jedem Patienten anzuwenden.

Ein Arzt oder ein Heilpraktiker kann ja niemandem, der mit vielen langjährigen Erkrankungen kommt, sofort gesund machen. Es ist immer ein Weg. Das bedeutet: Der Patient muss sich auch auf den Weg in seine Gesundung begeben, und der Ayurveda ist ein Weg dorthin. Mit der Pulsdiagnose kann man jedes mal wieder eine neue Schicht der Gesundheit freilegen, wie bei einer Zwiebel. Selbst, wenn das Ziel einer kompletten Gesundheit nicht erreicht wird, verbessert sich trotzdem die Lebensqualität.

Ich habe Patienten über 80, und gebe nach der Pulsdiagnose ganz einfache, leichte Empfehlungen und die Patienten sind so glücklich damit. Das macht mich auch glücklich.

 

Helfen die Erfolge bei der Verbesserung Lebensqualität dabei, dass die Patienten „dranbleiben“ auf dem Weg zur Gesundung?

Genau. Die Patienten erfahren eine Verbesserung der Lebensqualität oft in den eher unscheinbaren Lebensbereichen. Es verbessert sich die Schlafqualität, der Stuhlgang wird regelmäßiger, Blähungen verschwinden, Essen wird wieder besser vertragen, das Aufstehen am Morgen fällt leichter. Das sind Erfahrungen, die Hoffnung bringen, dass der Ayurveda noch mehr Erleichterung ins Leben bringt.

 

Gab es etwas beim Kurs, das Ihnen schwer viel?

Die ayurvedischen Fachbegriffe! Diese Sprache war mir erstmal fremd und neben so vielen neuen Informationen kamen nun auch noch neue Fachbegriffe in einer anderen Sprache hinzu. Ich habe die Begriffe durch Wiederholungen in der Gruppe und mit passenden Körperübungen, am Ende vollkommen verinnerlicht. Das hat Dr. Schachinger in seiner ruhigen Art immer wieder mit uns geübt. Es wurden alle mitgenommen.

Zudem gibt es nach der Ausbildung Experten-Webinare bei denen wir weiterhin dazu lernen können. Wir werden weiterhin begleitet und erst später auftauchende Fragen oder Probleme können aufgearbeitet werden. Auch der Austausch untereinander, wie sich unsere Arbeit entwickelt ist hilfreich und macht Mut.

 

Gibt es noch etwas, das Sie Menschen, die sich für den Maharishi Ayurveda Ausbildungskurs interessieren, mitgeben möchten?

Ich kann den Ausbildungskurs einfach nur jedem empfehlen. Man profitiert auch persönlich so sehr davon.

„Die Diagnosestellung vereinfacht sich enorm.“

Bei mir ist es so, dass ich meine Anamnese, die ich vorher erhoben habe, gar nicht mehr so ausführlich machen muss. Bei der Pulsdiagnose zeigen sich die Bereiche, in denen ich genauer hinschauen soll und ergeben dann von selbst, was gerade therapiert werden muss. Die ausführliche Suche in der Anamnese ist nicht mehr notwendig. Somit erleichtert mir die Pulsdiagnose das Auffinden der Ursachen und zeigt mir die notwendige Behandlungsstrategie. Die Beziehung zum Patienten wird durch die Pulsdiagnose auch gefördert und vertieft. Insgesamt hat die Pulsdiagnose meine Arbeit erleichtert.

 

Ganz herzlichen Dank für das Interview!