„Mich hat vor allem angesprochen, dass es praxis- und anwendungsbezogen sein sollte – und das war es. Was man dort lernt kann man wirklich auch direkt umsetzen. “

Interview mit Susanne Striebel

Heilpraktikerin und Absolventin des Ausbildungskurs „Maharishi Ayurveda Puls­­dia­gnose & Phyto­therapie“ an der Deutschen Ayurveda Akademie

Das Interview wurde im Juni 2022 geführt.

Wir freuen uns, dass Sie uns heute ein Interview zum Ausbildungskurs geben. Die erste Frage lautet: Wie war Ihr bisheriger beruflicher Werdegang?

Auf jeden Fall nicht schnurgerade … Auf dem Weg zu meiner Herzensberufung habe ich ein paar Umwege eingelegt, für die ich alle dankbar bin, weil sie mir großartige Begegnungen, Wissen und Erkenntnisse ermöglicht haben.
Nach einem Studium der Empirischen Kulturwissenschaft und Rhetorik habe ich als Fotoredakteurin in Hamburg gearbeitet, eine tolle und spannende Zeit, aber eben auch verbunden mit Deadlines, Leistungsdruck und irgendwann dem Gefühl keine Energie mehr zu haben und aus dem Takt geraten zu sein.
Ich war mir zum Glück absolut sicher, dass das nicht der Normalzustand ist. Ich wollte etwas verändern und dorthin, wo das Leben wieder schwingt. Ich wollte in die Balance.
Während der ganzen Zeit war Yoga schon mein zweites, kleineres Standbein.
Yoga begleitet mich tatsächlich schon fast mein ganzes Leben und darüber hatte ich zum Ayurveda gefunden. Das hat mich so nachhaltig fasziniert, dass ich voll in dieses älteste bekannte Heilsystem eintauchen wollte. Deshalb habe ich mich auf den Weg gemacht, mein sicheres und vertrautes Terrain verlassen und Ayurveda-Medizin am Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin an den Kliniken Essen Mitte studiert.

Auf Ihrer Website steht, dass Sie auch im Maharishi Ayurveda Gesundheitszentrum in Bad Ems als Therapeutin gearbeitet haben …

Ja, als Panchakarma-Therapeutin. Ich wollte dem theoretischen Überbau ein praktisches Fundament geben und auch die manuell therapeutische Dimension des Ayurveda kennenlernen und anwenden. Außerdem wollte ich direkt erfahren, wie sich die unterschiedlichen Ayurveda-Behandlungen auswirken und welchen Effekt sie haben. Das ist wirklich beeindruckend! Ich habe dort viel gelernt, jetzt war es aber an der Zeit, den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen …

 

… als Heilpraktikerin, mit eigener Praxis? Oder wohin geht es?

Meine Vision ist ein Zentrum für ganzheitliche Gesundheit, Ayurveda-Medizin und Yogatherapie. Der Ort dafür darf sich noch finden … Bis dahin biete ich mein Wissen online in Einzel-Beratungen und Kursen an, mache Konstitutionsanalysen, Ernährungs- und Lebensstilberatung und auch zweimal im Jahr eine Ayurveda-Kur. Ich gebe aber auch Yoga- und Ayurveda-Workshops und Retreats ganz in “echt” an unterschiedlichen Orten und bin als Dozentin unterwegs. 

Foto: ayurvedayogatherapie 

Sie haben bereits eine theoretische Ausbildung – oder besser gesagt – ein Ayurveda-Studium absolviert. Wie kam es zu dem Wunsch und dem Entschluss, am Maharishi Ayurveda Ausbildungskurs teilzunehmen?

Ich finde Nadi Vigyan, das Pulslesen, als Diagnoseinstrument so unglaublich faszinierend, deshalb wollte ich noch tiefer einsteigen. Da kamen die zwei Semester Pulsdiagnose genau richtig. Mich hat vor allem angesprochen, dass es praxis- und anwendungsbezogen sein sollte – und das war es. Was man dort lernt kann man wirklich auch direkt umsetzen.

 

Sie wollten die ayurvedische Pulsdiagnose wirklich gut erlernen und das Wissen auch praktisch anwenden können – das waren Ihre wichtigsten Erwartungen an den Kurs. Oder gab es noch weitere Erwartungen, die Sie hatten?

Ja genau, Pulsdiagnose und Praxisbezug waren die Hauptgründe. Aber auch darüber hinaus habe ich einiges an Wissen und Erfahrungen mitgenommen. Manches war Wiederholung, weil ich ja schon Ayurveda-Erfahrung und eine Ausbildung hatte, vieles hat sich aber auch ergänzt oder das Verständnis vertieft. Und in der Phythotherapie war auch Neues dabei.

 

Ich habe herausgehört, dass das Wissen, das zur Phytotherapie vermittelt wurde, für Sie dann keine bloße Wiederholung war von dem, was Sie schon kannten. Können Sie das noch etwas näher erklären?

Wir haben Einzelpflanzen aber eben auch die spezifischen Zusammensetzungen der Maharishi Ayurveda Präparate und ihre Anwendungsbereiche kennengelernt. Einiges haben wir auch selber probiert und so die Wirkung direkt erfahren.

 

Der Abschluss vom Ausbildungskurs liegt nun für Sie ein Jahr zurück. Wie beurteilen Sie die praktische Anwendbarkeit dessen, was Sie im Kurs gelernt haben?

„Was ich an der Pulsdiagnose so wertvoll finde ist, dass sie mir über die Berührung eine tiefe Verbindung zu meinem Gegenüber herstellt, dass ich dafür erstmal keine Worte brauche, sondern dass der Puls erzählt, was in Körper und Geist gerade los ist, ob alles in Balance ist oder an welcher Stelle und in welchem Organ-Bereich etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Und wie wir den Weg in die Heilung finden können.”

Foto: ayurvedayogatherapie

Wie empfanden Sie das Erlernen der Pulsdiagnose: War es für Sie eher schwierig oder ging es leicht?

„Die Vorstellung, die ich vor dem Kurs von Pulsdiagnose hatte war: Es ist irgendwie mystisch und bestimmt kompliziert … Alle, denen es genauso geht, kann ich beruhigen: Es hat eine fundierte Grundlage und ist leichter als erwartet.” 

Dr. Schachinger hat uns da wirklich gut herangeführt. Wir haben schon beim ersten Kurs-Wochenende gelernt, den Puls bei uns selber und gegenseitig zu tasten, dabei Unterschiede wahrzunehmen und die Qualitäten zu benennen. Sukzessive tauchten wir dann tiefer in die unterschiedlichen Ebenen ein, wo es zugegebenermaßen auch komplex wird.
Aber unsere Dozenten haben uns daran erinnert, dass es einfach sein darf. Dass es darum geht, wahrzunehmen was da ist und nicht etwas, was ich möglicherweise erwarte oder annehme, was ich spüren werde oder sollte. Sich frei zu machen von bestimmten Vorstellungen und vielleicht auch Schubladen im Kopf und offen zu sein für das, was der Puls erzählt. Es gibt den schönen Satz von Dr. Raju „Der Puls lügt nicht”: Sich immer wieder daran zu erinnern und auf das zu vertrauen, was man tastet.

 

Gab es für Sie Therapieempfehlungen, die Sie kennengelernt haben, die Ihrer Erfahrung nach sehr effektiv waren?

Ja unbedingt und ich wende sie auch an, sowohl bei meinen Klienten als auch bei mir selber. Zum einen kann ich andere nur in ihrer Heilung unterstützen, wenn ich selber gesund und in Balance bin und Ayurveda hilft mir dabei. Und zum anderen möchte ich nichts weitergeben, was ich nicht selber erfahren habe. Dazu haben uns auch unsere Dozenten im Kurs immer wieder ermuntert: Eigene Erfahrungen zu machen, ayurvedische Prinzipien in unseren Alltag zu integrieren, auszuprobieren wie sich eine Detox-Kur, eine Ausleitung oder Anwendung anfühlt. Das war sehr wertvoll.

„Was ich in meinen Beratungen immer wieder erlebe und was ich das Tolle am Ayurveda finde: Es müssen meist keine großen Veränderungen sein, oft sind es kleine Stellschrauben in der Ernährung oder am Tagesablauf, an denen man drehen und die etwas größeres in Gang setzen können und somit eine Verbesserung bringen.“ 

Ayurveda gibt uns das Wissen an die Hand, wie wir uns aktiv um die eigene Gesundheit kümmern können und fördert damit die Selbstwirksamkeit.

… Patienten, die sich darauf einlassen haben dadurch eine Bewusstseinsentwicklung, oder? Dass sie nicht irgendwo hingehen und sagen „Okay, das ist der Experte für meine Gesundheit, ich weiß selbst gar nicht welchen Einfluss Ernährung, Tagesablauf oder irgendetwas auf meine Gesundheit hat, ich mache einfach, wie ich denke oder wie die Umstände es ergeben.” Sondern dass man selbst ein Bewusstsein dafür entwickelt, was einem gut tut und was nicht und warum, und wenn ich etwas ändere, was dann passiert.

Genau. Es geht im Ayurveda ja auch immer darum, wieder zu unserer eigenen inneren Weisheit zu finden und dieser Stimme mehr Gehör zu schenken. Wieder zu lernen, was mir gut tut und was meine Gesundheit fördert. Die Intuition zu stärken.

 

Wir kommen zum Ende des Interviews. Haben wir noch einen wichtigen Aspekt vergessen, wenn Sie an den Maharishi Ayurveda Ausbildungskurs denken?

Ja, das sind zum einen unsere Dozenten, die uns mit soviel Engagement und Fachkompetenz unterstützt haben, die ihr Wissen und ihre wertvollen Erfahrungen mit uns geteilt und den Kurs so lebendig und lehrreich gestaltet haben. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle bedanken, ganz besonders bei Dr. Schachinger, der uns auch über das Kursende hinaus immer noch mit seinem Rat und Wissen zur Seite steht. Und Danke auch an unsere wunderbare Ausbildungsgruppe für den Austausch – der immer noch stattfindet – und die gegenseitige Unterstützung, das war und ist wirklich besonders.

 

Dann bedanken wir uns ganz herzlich für das Interview!