Entspanntes Marketing für Ayurveda-Ärztinnen/Ärzte

Ein paar Gedanken und Erfahrungen

von Marketing-Experte Michael Hotz

Das jüngste Qualitätszirkel-Webinar der Deutschen Ayurveda Akademie befasste sich mit dem Thema „Erfolgreich als Ayurveda-Ärztin/Arzt”. Dr. Wolfgang Schachinger hat von seinem Weg als Ayurveda-Arzt berichtet. Von Beginn an, als ihn noch niemand kannte, wie er sich dann als Ayurveda-Arzt etabliert hat bis in zur jüngste Entwicklung, der Realisierung seines soma-Gesundheitszentrums.

Ich habe eine kurze Einführung in das Thema Marketing gegeben. Speziell im Hinblick auf Ayurveda-Mediziner/innen, die den Maharishi Ayurveda Ausbildungskurs „Pulsdiagnose und Phytotherapie” besuchen oder absolviert haben, wurden spezifische Marketing-Möglichkeiten vorgestellt. Im Anschluss habe ich Fragen zum Thema Marketing beantwortet. Auf zwei Fragen möchte ich in diesem Blog-Beitrag vertiefend eingehen.

 

1.000 Follower aber keine neuen Patient(inn)en?
Social Media: Bringt mir das als Ayurveda-Ärztin etwas?

Frage:
Als Ärztin wurde man bislang nie mit dem Thema Marketing konfrontiert. Im Bereich Marketing wird man mit ganz vielen Dingen konfrontiert. Wie ist die Einschätzung bezüglich Social Media [Facebook, Instagram, YouTube, etc.]: Ist Social Media wichtig oder reicht eine Website? Was wird in dem Bereich empfohlen? Wie ist die Erfahrung damit? Denn ich befürchte, dass man sich darin auch total verlieren kann.

Antwort: 
Die kurze Antwort – speziell im Hinblick auf Ayurveda-Mediziner/innen – lautet: Im Bereich Social Media erfolgreich aktiv zu sein ist normalerweise relativ zeitintensiv. Es stellt sich die Frage ob man abseits von Followern, Klicks und Kommentaren auch noch etwas anderes erreicht.

Ist man bereit einen relativ hohen Aufwand (Zeit, Geld) zu betreiben, besteht die Möglichkeit, dass Social Media einem dabei hilft erfolgreich zu werden. In vielen Fällen bedeutet Social Media aber: viel Arbeit aber kein oder nur ein sehr überschaubares Ergebnis, wenn es darum geht Menschen auf die eigene Ayurveda-Praxis  aufmerksam zu machen und sie dann wirklich auch als als Patient(inn)en zu gewinnen.

Denn das sind die Herausforderungen:

• Ohne Kenntnisse der Materie und Erfahrung ist es ein Glücksspiel 
Einfach mal bei einer Social Media Plattform anmelden und irgendwelche Beiträge posten: Da müsste man viel Glück haben und ein Naturtalent sein, damit man damit etwas erreicht das Sinn ergibt. Über was man schreibt, wie man es schreibt, oder ob man besser ein Video aufnimmt … das ist eine Wissenschaft für sich. Es gibt ”organische” Beiträge, Gruppen, einen Algorithmus, bezahlte Werbung, etc.
Tipp: Man kann Expert(inn)en um Hilfe fragen oder sich selbst Wissen aneignen (über YouTube Videos, etc.). Aber die grundlegende Frage ist: will man Geld und Zeit in die Sache investieren? Oder gibt es effektivere Möglichkeiten?

• Treffe ich dort auch meine Zielgruppe?
Beim Social Media geht es meist um hohe sogenannte Streuverluste: Was bringt mir Aufmerksamkeit von Personen aus Hamburg und Berlin und Flensburg, wenn meine Praxis in München ist?
Tipp: Sich erst einen Überblick zu verschaffen welche Marketing-Kanäle es für mich gibt und wie viel Effektivität diese möglicherweise haben und das Potenzial dann mit Social Media vergleichen.

Man sollte sich auch überlegen, ob meine Zielgruppe es ggf. sogar seltsam findet, wenn sie sieht, dass ich anscheinend „extrem aktiv auf Social Media bin statt mich um meine Patient(inn)en zu kümmmern”. Vielleicht gibt es bessere und effektivere Wege um meine Zielgruppe auf mich aufmerksam zu machen als Social Media.

• Social Media bedeutet interessante Beiträge und Interaktion
Das Schlimmste was man tun kann auf Social Media: Es einfach nur als einen weiteren Werbekanal zu sehen, auf dem man einfach nur Werbung platziert. Dann lieber bezahlte Werbung schalten, dafür Geld ausgeben und fertig.
Denn Beiträge zu erstellen und zu posten, die einfach nur Werbung sind, werden höchstwahrscheinlich nicht viele Reaktionen (Likes, Kommentare, dass Beitrag geteilt wird) hervorrufen und daher auch nicht viele Nutzer erreichen. Beiträge, die eine Reaktion hervorrufen, Emotionen wecken, finden auf Social Media einfacher Verbreitung.
Geht es mir leicht von er Hand interessante Beiträge zu erstellen? (Texte? Fotos? Videos? Podcasts?)
„Liegt mir das?” ist eine der zentralen Fragen, die man sich stellen sollte, bevor man sich für Social Media entscheidet.
Tipp: Das positive Potenzial von Social Media nutzen und mehr darüber erfahren was meine (mögliche) Zielgruppe interessiert, welche Fragen und Nöte sie haben. Dies kann man durch die entsprechende Interaktion herausfinden. Man kann direkt um die Meinung anderer fragen. Aber am Anfang bitte nicht zu viel davon erwarten.

• Zeiträuber Social Media
Social Media bedeute, wie gesagt, nicht nur regelmäßige Beiträge zu platzieren sondern auch Reaktionen zu erhalten. Und auf diese Reaktionen (zum Beispiel Kommentare oder Fragen) zu reagieren. Kann ich mir regelmäßig die entsprechende Zeit dafür nehmen? Macht mir das Spaß? Und einmal angefangen sollte man dann nicht einfach wieder aufhören, denn sonst hat man eine „tote” Social Media Seite im Internet, die Interessent(inn)en ggf. bei einer kurzen Internetrecherche finden. Eine Instagram-Seite auf der seit 2 Jahren nichts mehr gepostet wurde und auf Fragen nicht eingegangen wurde macht keinen so guten Eindruck.
Tipp: Lieber regelmäßig aber selten Beiträge bringen, als eine Zeit lang sehr viele Beiträge zu platzieren und dann über einen sehr langen Zeitraum gar nichts zu bringen.

• Social Media ist nicht mehr das was es mal vor einigen Jahren war.
Viele haben immer noch die Vorstellung, dass man in Facebook gratis „Werbung” machen kann. Aber mit normalen (= unbezahlten / organischen) Beiträgen ist es heutzutage auf den meisten Social Media Plattformen relativ schwierig geworden eine hohe Anzahl an Nutzer(inne)n zu erreichen. Fast ausschließlich sehr beliebte Marken mit engagierten „Fans” können das erreichen.

Zum Beispiel liefert Facebook die Beiträge, die man erstellt hat, seit einiger Zeit nicht mehr an alle Follower aus. Es schaut danach aus, dass Facebook einen dazu bringen möchte bezahlte Werbung zu schalten, damit (wieder) mehr Personen meine Beiträge sehen.

Bei großen Marken steht zudem oft eine generelle Bekanntmachung der Marke im Zentrum. Die Marke soll in der allgemeinen Wahrnehmung mit positive Attributen verknüpft werden. Es geht dabei oft nicht um eine direkte Handlung (etwas kaufen, etc.) sondern dann im z.B. Supermarkt zum Beispiel die entsprechende Kaufreaktion zu erhalten. Dann sprechen wir aber über große Werbebudgets.

Mit Werbung auf Social Media kann man natürlich durchaus auch direkte Handlungen hervorrufen. Ich kenne Beispiele von Unternehmen, die eine Zeit lang gute Erfolge mit professioneller YouTube- und Facebook-Werbung erzielt haben. Es ist nur die Frage wie viel Budget man hat für Experten, Kampagnenaufbau, Erstellen von Videos, Optimierung der Kampagne, Kommentare lesen und darauf reagieren, … und das eigentliche Werbebudget.“

• Es gibt große Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Social Media Plattformen.
Zum Beispiel darin wie das Durchschnittsalter der Nutzer(inne)n ist, wie gut die Chancen sind um eine echte „Community“ aufzubauen, mit der man ach im echten Leben interagiert. Welch Inhalte bevorzugt werden (Fotos, Videos, Texte) und wie lang diese sein können.

Facebook ist momentan (Stand 2023) die größte Social Media Plattform, mit fast 3 Milliarden Nutzer(inne)n – wovon ca. 2 Milliarden täglich auf Facebook aktiv sind. Gefolgt von YouTube (2,5 Mrd.), WhatsApp und Instagram (jeweils 2 Mrd.). Dahinter kommen WeChat (1,3 Mrd.) und TikTok (1 Mrd.).

• Alles was sich im Bereich Social Media abspielt kann einer ständigen Veränderungen unterworfen sein kann.
Es kann Entwicklungen geben, die mir und meinen Zielen förderlich sind oder eben nicht. Zum Beispiel wenn die Social Media Plattform ihren Algorithmus ändert, der darüber entscheidet wer alles meinen Beitrag sieht. Oder wenn Facebook Beiträge mit Videos bevorzugt.

Social Media hat aber auch Potenzial

Es gibt neben den Herausforderungen sicher auch ein Potenzial um damit seinen Erfolg auszubauen. Aber so einfach wie vielleicht vor einigen Jahren ist es auf den meisten Plattformen nicht mehr um Aufmerksamkeit zu bekommen … und vor allem um mehr als nur das zu erhalten.

Es kommt vor allem auch darauf an, ob einem das Thema liegt. Ob man Spaß daran hat damit Zeit zu verbringen und sich darin zu vertiefen, interessante Inhalte zu erstellen, etc.

Querflöte oder Pauke?

Social Media kann durchaus ein Teil der eigenen Marketing-Strategie sein. Denn es kann durchaus sinnvoll sein nicht nur über einen Marketing-Kanal zu kommunizieren, sondern eine – wenn auch überschaubare und gut handhabbare – Auswahl zu treffen. In einem gut gestimmten Marketing-Orchester kann eine bewusst gewählte Social Media Plattform ein sinnvolles Instrument sein. 

 

Fazit: Wahrscheinlich gibt es andere Marketing-Möglichkeiten, die für Ayurveda-Ärztinnen und -Ärzte effektiver sind um passende Patient(inn)en auf sich aufmerksam zu machen. Sprich: Um mit weniger Zeit und/oder Geld bessere, schnellere Resultate zu erzielen.
Hierbei denke ich zum Beispiel an einen Vortrag oder einen kleinen Workshop. Gerne auch auf bestehenden Strukturen und Institutionen aufbauend: Volkshochschule, Selbsthilfegruppen, Yoga-Studios, Meditationszentrum, etc. Oder man macht mittels regional ausgerichteten Anzeigen in Google auf sich aufmerksam. Um mal zwei Beispiele aus der Praxis zu geben. 
Aber wenn du tolle Ideen hast für Inhalte, die dir nicht nur Aufmerksamkeit sondern schlussendlich auch neue Patient(inn)en bringen und du Lust hast auf Social Media, würde ich sagen: Go for it!!

 

 

Und die zweite Frage während des Experten-Webinars lautete:

 

Wie mache ich am besten auf mich aufmerksam?
Macht ein Blog für mich Sinn?

Ein Blog kann durchaus Sinn machen. Man kann dadurch zeigen, dass man sich auf einem bestimmten Gebiet auskennt und ggf. die passenden Patient(inn)en anziehen. Dadurch kann Vertrauen wachsen und man kann Menschen auf die eigene Tätigkeit als Ayurveda-Ärztin/Arzt aufmerksam machen. 

Der beste Blog bringt allerdings nichts, wenn ihn niemand sieht. Oder wenn ihn primär Menschen lesen, die gar nicht zu meiner Zielgruppe gehören. Von der Frage ”Wie mache ich auf mich aufmerksam?“ kämen wir dann zur Frage „Wie mache ich meine Zielgruppe auf meinen Blog aufmerksam?”, wodurch nicht allzu viel gewonnen wäre. 

Ähnlich wie bei Social Media stellt sich die Frage nach dem dafür benötigten Zeitaufwand: Kann und möchte ich das?  Liegt mir das Schreiben? (Oder wäre ein Podcast oder ein YouTube-Kanal für mich passender?) Wie kommen meine Texte bei der Zielgruppe an?

Es wäre zudem sinnvoll sich zuerst die Gesamtsituation anzuschauen:

1) Wie sieht die Situation aus, in der ich mich befinde?  

2) Wo möchte ich hin?
Wie schaut das Ideal aus, das ich gerne erreichen möchte? Am besten sollte man das Ziel so konkret wie möglich formulieren. Also nicht „ich möchte jede Menge Patient(inn)en, die nach Ayurveda fragen“ als Bild von der Zukunft, sondern zum Beispiel „ich möchte 20 Patient(inn)en pro Woche, die nach eine ayurvedische Pulsdiagnose und ayurvedische Therapie wünschen und bereit sind dafür 120 Euro für die Erstkonsultation und 50 Euro für eine halbstündige Folgekonsultation zu bezahlen.”
Auch wenn es die Zukunft betrifft und wir keine Glaskugel haben: Sich darüber Gedanken zu machen und sich ein klares Bild zu machen ist sinnvoll. Denn ohne genaues Ziel wird es schwer sein in die richtige Richtung zu gehen – auch mit den ausgefeiltesten Marekting-Maßnahmen. (Die richtige Richtung ist viel wichtiger als jede Menge Arbeit, die man bereits ist in die Angelegenheit zu stecken. Auch wenn der innere Antrieb grundlegend ist für den Erfolg, wollen wir ja ein entspanntes Marketing, bei dem wir mit so wenig wie möglich Aufwand viel erreichen.)

3) Wie kann ich von meiner jetzigen Situation zu der gewünschten Situation kommen
Nachdem Punkt 1 und 2 geklärt ist kommen wir zu der Frage welche Marketing-Maßnahmen einem zur Verfügung stehen. Sich darüber einen Überblick zu verschaffen um dann die passende Auswahl zu treffen kann einem viel Zeit und Geld ersparen.

Wichtig ist, dass man sich bewusst macht das Marketing nicht gleichbedeutend ist mit Werbung. Wie gut man Patient(inn)en helfen kann, das ist bereits Marketing. Denn wenn man sehr gut ist in dem was man tut, dann führt das normalerweise dazu, dass zufriedene Patient(inn)en einen weiterempfehlen. Daher sind kontinuierliche Weiterbildungen und der Austausch mit erfahrenen Ayurveda-Ärztinnen und -Ärzten so wichtig. Weitere Marketing-Maßnahmen können dann dazu beitragen schneller erfolgreich zu sein.

Wenn wiruns nun wieder der Frage zuwenden ob ein Blog für jemanden Sinn macht, stellt sich einerseits dei Frage wie gut man darin ist einen Blog-Beitrag zu schreiben, ob man die Zeit hat regelmäßig einen gutenBlog-Beitrag zu erstellen, etc. Und bei all dem ist es auch wichtig sich anzuschauen wie die Konkurrenzsituation aussieht. Beispielsweise gibt es schon viele Blogger im Gesundheitsbereich.

Mit dieser Vorarbeit kann man in den meisten Fällen besser sehen ob zum Beispiel ein Blog der beste Weg ist um einen dahin zu bringen wo man hin möchte. Oder ob es effektivere, leichtere und passendere Möglichkeiten gibt.

 

Entspanntes Marketing
Leichtigkeit, Freude und Erfüllung

 

Ich vertrete die Meinung, dass Marketing nicht kompliziert und anstrengend sein muss.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine Marketing-Strategie dann entspannt ist wenn sie folgende Attribute besitzt:

• Passt zu mir
Meine Marketing-Aktivitäten passen zu meiner Persönlichkeit, meinen Fähigkeiten, Interessen und Vorlieben. Sie passen zu der Zeit und Aufmerksamkeit, die mir dafür zur Verfügung steht und zu meinem Geldbeutel.

• Passt zu meiner Zielgruppe
Ich erreiche dadurch meine Zielgruppe und was sie über mich erfährt spricht sie an und überzeugt sie.

• Smart statt laut
Statt mit Werbung zu nerven bin ich einfach nur die richtige Antwort auf ein Problem.

• Zielgerichtet
Meine Marketing-Maßnahmen haben wenig Streuverluste. Das spart Geld und Zeit.

• Wirksam
Die Maßnahmen sind effektiv. Mit so wenig Aufwand wie möglich erziele ich eine maximale Wirkung.

Trotz gründlichen Analyse kann es notwendig sein ein paar unterschiedliche Marketing-Kanäle und -Methoden auszuprobieren. Man fokussiert sich dann nach einiger Zeit auf die Aktivitäten, durch die wirklich neue Patient(inn)en zu mir kommen. Und von dem, was weniger gut (für mich) funktioniert, macht man weniger oder lässt es ganz weg.

Michael Hotz

Über den Autor:

Michael Hotz ist Marketing-Experte mit über 25 Jahren Erfahrung. Michael Hotz arbeitet bevorzugt für Institutionen und Personen aus den Bereichen Ayurveda, Bewusst­seins­entwicklung und Nachhaltigkeit.